Lupenobjektive in der Makrofotografie

Wenn ein Makroobjektiv immer noch nicht ausreicht, sind Lupenobjektive eine Möglichkeit um weiter in den Makrobereich vorzudringen. Lupenobjektive sind für den Abbildungsmaßstab von 1:1 bis 20:1 optimiert.

Früher hatten die meisten Lupenobjektive ein RMS-Gewinde W0,8″ x 1/36″. Ein Standard-Anschluss für Mikroskope. Eine Fokussierung ist am Objektiv nicht vorgesehen. Diese erfolgt über das Mikroskop. Über Adapter kann man diese alten Lupenobjektive auch für Spiegelreflex- oder Systemkameras in Verbindung mit einem Balgengerät einsetzen. Die Fokussierung erfolgt über den Balgen.

Die meisten Lupenobjektive werden aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr hergestellt. Man findet diese aber noch  auf dem Gebrauchtmarkt. Von Canon gibt es ein Lupenobjektiv mit EF-Anschluss. Dieses war lange Zeit eines der wenigen neu erhältlichen Lupenobjektive mit Kameraanschluss. Bei vielen Systemkameras kann man auch dieses Objektiv mit einem Adapter einsetzen. Das Canon MP-E 65 mm 2,8 kann im Abbildungsmaßstab 1:1 bis 5:1 eingesetzt werden. Autofokus gibt es nicht. Alles muss manuell eingestellt werden.

Defintiion: Lupenobjektive sind Spezialobjektive für Vergrößerungen über 1:1, je nach Modell bis 20:1. Neu erhältlich sind das Mitakon 20 mm (4,5x, ab etwa 200 €), das Laowa 25 mm (2,5–5x, etwa 400 bis 500 €) und das Canon MP-E 65 mm (1–5x, für Canon EF). Ältere Lupenobjektive von Leica, Zeiss oder Olympus gibt es gebraucht für das Balgengerät.

Aktuelle Lupenobjektive von Laowa, Canon und Mitakon

Diese drei Lupenobjektive haben einen eigenen Kameraanschluss. Du brauchst also kein Balgengerät und keinen RMS-Adapter. Alle drei werden manuell bedient: Mit dem Einstellring wählst du den Abbildungsmaßstab, scharfgestellt wird durch Bewegen der Kamera.

ObjektivLichtstärkeAbbildungsmaßstabAnschlüsseGewichtPreis (ca.)
Laowa 25 mm 2,5–5x Ultra Macrof/2,82,5:1 bis 5:1Canon EF und RF, Nikon F und Z, Sony E, Pentax K, L-Mountca. 400 g400–500 €
Canon MP-E 65 mm 1–5x Makrof/2,81:1 bis 5:1Canon EF, an Canon RF per Adapterca. 710 g1.000–1.200 €
Mitakon 20 mm 4,5x Super Macrof/2,04:1 bis 4,5:1Canon EF, Nikon F, Sony E, Pentax K, Fuji X, MFTca. 230 gca. 200–250 €

Herstellerangaben, Preise als Richtwerte, Stand Oktober 2026. Verfügbarkeit und Anschlüsse bitte vor dem Kauf beim Händler prüfen.

Canon MP-E 65mm f/2.8 1-5x
Canon MP-E 65mm f/2.8 1-5x

Die Arbeitsweise mit dem Canon MP-E 65 mm Spezial-Objektiv und auch den anderen Lupenobjektiven ist gewöhnungsbedürftig. Aber auch hier macht Übung den Meister. Mit dem MP-E 65mm ist ein Abbildungsmaßstab zwischen 1:1 und 5:1 möglich. Es fängt da an wo Makro-Objektive aufhören.

Lupenobjektive auf dem Gebrauchtmarkt

Diese Lupenobjektive werden nicht mehr hergestellt, sind aber gebraucht noch erhältlich. Sie haben meist ein RMS-Gewinde und werden über einen Adapter an einem Balgengerät verwendet. Je kürzer die Brennweite, desto größer der Abbildungsmaßstab.

HerstellerObjektivBrennweiteLichtstärkeAbbildungsmaßstab
Carl ZeissLuminar 16 mm16 mmf/2,51:2,5
Carl ZeissLuminar 25 mm25 mmf/3,51:3,5
Carl ZeissLuminar 40 mm40 mmf/4,51:4,5
Carl ZeissLuminar 63 mm63 mmf/4,51:4,5
Carl ZeissLuminar 100 mm100 mmf/6,31:6,3
LeicaPhotar 12,5 mm12,5 mmf/2,47,5:1 bis 15,5:1
LeicaPhotar 25 mm25 mmf/2,03,1:1 bis 6,9:1
LeicaRepro-Photar 25 mm25 mmf/2,54,66:1 bis 8,67:1
LeicaPhotar 50 mm50 mmf/4,01,1:1 bis 3,1:1
LeicaFocotar 2 50 mm50 mmf/4,51,26:1 bis 3,17:1
MinoltaMinolta 12,5 mm12,5 mmf/2,0–
MinoltaMinolta 25 mm25 mmf/2,5–
NikonMacro-Nikkor 19 mm19 mmf/2,8–
NikonMacro-Nikkor 35 mm35 mmf/4,5–
OlympusZuiko Macro 20 mm20 mmf/3,5–
OlympusZuiko Macro 38 mm38 mmf/3,8–
OlympusZuiko Macro 80 mm80 mmf/4,0–
CanonCanon 20 mm20 mmf/3,5–
CanonCanon 35 mm35 mmf/2,8–

Angaben zum Abbildungsmaßstab laut Hersteller, soweit bekannt. Gebrauchte Lupenobjektive werden je nach Modell und Zustand ab etwa 200 Euro angeboten, seltene Modelle wie die Macro-Nikkore deutlich teurer.

Das ist nur ein Teil der möglichen Lupenobjektive. Auch von den aufgeführten Herstellern gibt es teilweise noch weitere Lupenobjektive. Mir geht es nur darum zu zeigen, dass es solche Objektive von vielen optischen Herstellern gab. Lupenobjektive sind für den extremen Nahbereich konstruiert. Deswegen sind sie hervorragend für den Makrobereich zwischen 1:1 bis 20:1 geeignet. Abblenden bringt bei Lupenobjektiven meist schnell Beugungsunschärfe. Starkes Abblenden verschlechtert die Schärfeleistung. Nur geringes Abblenden ist hier der qualitativ bessere Mittelweg.

Vorteile Lupenobjektive

  • Je nach Brennweite optimiert für den Abbildungsmaßstab 1:1 bis 20:1.
  • Lupenobjektive sind speziell für große Abbildungsmaßstäbe gerechnet.
  • Laowa, Canon und Mitakon haben einen eigenen Kameraanschluss, ein Balgengerät ist nicht nötig.
  • Günstiges neues Lupenobjektiv ist derzeit das Mitakon 20 mm für rund 200 – 250 €. Derzeit wohl vom Preis- Leistungsverhältnis die günstigste Lösung.

Nachteile Lupenobjektive

  • Oft nur über dem Gebrauchtmarkt erhältlich (Neu nur das Canon, Laowa und Mitakon).
  • Das Canon MP-E 65 mm ist teuer und nur für Canon EF erhältlich.
  • Gebrauchte Nikon Lupenobjektive sind sehr rar. Auf dem Gebrauchtmarkt werden ca. 1500€ für eines verlangt! Von den anderen Herstellern werden manchmal Lupenobjektive ab ca. 200 € im gebrauchten Zustand angeboten.
  • Adapter und oder Balgengerät erforderlich bei gebrauchten Lupenobjektiven.

Zusammenfassung über Lupenobjektive

Alles klar?

Lupenobjektive sind sehr gut für den Abbildungsmaßstab 1:1 bis 20:1 geeignet. Die Beschaffung kann schwierig und teuer werden. Für die meisten alten Lupenobjektive benötigt man dann noch einen oder mehrere Adapter und ein Balgengerät. Wenn man bereits ein Balgengerät besitzt eine gute Möglichkeit um den Makrobereich zu erweitern.

Am komfortabelsten ist da noch das Canon MP-E 65mm, Laowa 25mm und MItakon 20mm, welches an die einige aktuelle Kameragehäuse passt.

Weitere Alternativen zu Lupenobjektiven sind Vergrößerungs-Objektive. Von Nikon, Schneider oder Rodenstock. Wenn man diese an einem Balgengerät in Retrostellung einsetzt, hat man mit den besseren Vergrößerungsobjektiven oft einen vergleichbaren Effekt und ebenfalls eine hohe optische Qualität. Ich nutze dafür ein Schneider Componon S 2,8/50 mm in Retrostellung an einem gebrauchten Novoflex-Balgen mit M42-Anschluss. Diesen adaptiere ich an meine Fuji oder eine Nikon-Kamera.

Schneider Componon S 2,8/50 mm
Schneider Componon S 2,8/50 mm

Mit dem Canon, Laowa oder Mitakon kauft man sich mehr Bedienkomfort. Balgengerät oder Zwischenringe entfallen.

Häufig gestellte Fragen und Antworten über Lupenobjektive in der Makrofotografie

Wofür brauche ich ein Lupenobjektiv?

Ein Lupenobjektiv brauchst du, wenn ein Makroobjektiv mit 1:1 nicht mehr ausreicht. Es vergrößert je nach Modell etwa 2- bis 5-fach. Damit fotografierst du Facettenaugen von Insekten, Schmetterlingsschuppen, Pollen, Schneeflocken oder Mineralien formatfüllend. Solche Details sind mit bloßem Auge kaum zu erkennen und zeigen eine völlig neue Welt.

Welche Lupenobjektive gibt es aktuell?

Bekannt sind das Laowa 25 mm f/2,8 2,5–5x Ultra Macro für viele Kamerasysteme und das Canon MP-E 65 mm f/2,8 mit 1- bis 5-facher Vergrößerung. Eine günstige Alternative ist das Mitakon 20 mm f/2 mit 4,5-facher Vergrößerung. Gebraucht findest du ältere Lupenobjektive für Balgengeräte, etwa von Olympus, Leitz oder Zeiss.

Wie stelle ich mit einem Lupenobjektiv scharf?

Ein Lupenobjektiv hat keinen klassischen Fokusring. Mit dem Einstellring wählst du nur den Abbildungsmaßstab. Scharfgestellt wird, indem du die ganze Kamera millimeterweise auf das Motiv zu oder davon weg bewegst. Am einfachsten geht das mit einem Einstellschlitten auf einem stabilen Stativ. Aus der freien Hand ist das sehr schwierig.

Wie groß ist der Arbeitsabstand bei einem Lupenobjektiv?

Der Arbeitsabstand ist sehr kurz und wird mit steigender Vergrößerung immer kleiner. Bei 5-facher Vergrößerung beträgt er meist nur wenige Zentimeter. Lebende Insekten flüchten deshalb oft, und das Objektiv wirft leicht Schatten aufs Motiv. Lupenobjektive eignen sich daher vor allem für unbewegte Motive im Heimstudio.

Warum ist die Schärfentiefe bei Lupenobjektiven so gering?

Je größer der Abbildungsmaßstab, desto kleiner wird die Schärfentiefe. Bei 5-facher Vergrößerung und Blende f/8 beträgt sie nur etwa einen Zehntelmillimeter. Ein Insektenauge ist dann nur in einer hauchdünnen Ebene scharf. Für durchgehend scharfe Bilder ist Focus Stacking deshalb fast immer nötig, oft mit 50 bis über 100 Einzelaufnahmen.

Welche Blende ist bei einem Lupenobjektiv sinnvoll?

Bei starker Vergrößerung wirkt die Blende viel kleiner, als sie eingestellt ist. Bei 5-facher Vergrößerung wird aus f/2,8 effektiv etwa f/17. Blendest du weiter ab, macht die Beugungsunschärfe das ganze Bild weich. Deshalb arbeiten viele Makrofotografen bei Lupenobjektiven mit offener oder fast offener Blende und nutzen Focus Stacking.

Wie beleuchte ich Motive mit einem Lupenobjektiv?

Bei starker Vergrößerung kommt sehr wenig Licht auf den Sensor. Ein Blitz mit großem Diffusor dicht am Motiv ist die beste Lösung. Er liefert genug Licht und friert jede Bewegung ein. Alternativ funktionieren LED-Leuchten mit Diffusor, vor allem beim Focus Stacking im Studio. Ohne Diffusor entstehen harte Schatten und Reflexe.

Weitere Informationen über Fototechnik für die Makrofotografie

Diese Seite wurde aktualisiert am