Kameras für die Makrofotografie

Fototechnik

Für Makrofotos braucht man heute nicht unbedingt eine Spiegelreflexkamera. Allerdings ist eine Spiegelreflexkamera mit Wechselobjektiven an fast jede Aufnahme-Situation anpassbar und damit am besten für die meisten Makroaufnahmen geeignet.

Inzwischen gibt es auch einige spiegellose Kamerasysteme mit Wechselobjektiven. Viele frühere Nachteile der spiegellosen Systemkameras wurden in den letzten Jahren durch technische Verbesserungen abgestellt. Damit gibt es kaum noch Nachteile gegenüber Spiegelreflexkameras.

Derzeit (Stand 7/2019) würde ich nur bei einem bestehenden Kamerasystem und reichlich vorhandener Objektivauswahl bei einem Spiegelreflexsystem bleiben. Bei einem Neukauf einer Kamera würde ich mir derzeit ein Spielloses System in Erwägung ziehen.

Unabhängig welches Kamerasystem man favorisiert, für die Makrofotografie benötigt man Wechselobjektive oder anderes Zubehör um den Nahbereich vorhandener Objektive zu verbessern. Kameras ohne diese Möglichkeiten eignen sich meist weniger für gute Makrofotos. Sicherlich kann man nette Nahaufnahmen damit machen. Man wird bei sehr vielen Motiven sehr schnell an die Grenzen des machbaren stoßen.

Für die ersten Versuche kann eine bestehende Kamera durchaus ausreichen. In der Praxis wird man schnell feststellen wo die Grenzen liegen. Danach wird man nach Lösungen suchen. Wenn die Lösung eine andere Kamera, Objektiv oder Zubehör sind, wird man sich entscheiden, ob man diese Investition tätigen möchte.

Hier kommt es natürlich darauf an, was man mit den Fotos anstellen möchte? Wenn man sie nur im Internet zeigen möchte, reicht auch eine einfachere Kamera. Will man seine Fotos vermarkten, braucht man schon eine professionelle Spiegelreflexkamera oder Systemkamera mit Wechselobjektiven.

Smartphone Kamera für die Makrofotografie

Inzwischen bieten die Top-Smartphones erstaunlich gute Fotoqualität. Manche Smartphone-Kameras können sogar RAW-Daten erstellen. Damit behält man in der Weiterverarbeitung die maximale Qualität. Während bei JPG oder vielen anderen Dateiformaten die Datei komprimiert und damit die Bildinformationen reduziert werden.

Die Qualität eines Fotos ist von der Auflösung, der Qualität des Aufnahmechip, der Software und dem Objektiv abhängig. Ist eine Komponente schlecht, kann dies nicht durch die anderen ausgeglichen werden.

Es müßen also alle Komponenten optimal aufeinander abgestimmt sein. 20 Mio Pixel nützen wenig, wenn das Objektiv schlecht ist. Da können Aufnahmen mit 10 Mio Pixel besser sein, wenn alles aufeinander optimert ist.

Für die teureren Smartphones gibt es Fotozubehör. Vorsatzlinsen, welche den Tele oder Weitwinkelbereich erweitern können. Allerdings ist jeder Vorsatz ein optischer Kompromiss und verschlechtert die optische Leistung eines Objektives. Auf Grund eines relativ kleinen Aufnahmesensor hat man physikalisch eine größere Schärfentiefe. Das kann bei manchen Nahaufnahmen ein Vorteil sein. Allerdings ist mit kleinem Sensor auch ein kurzer Aufnahmeabstand erforderlich. Das wiederum ist für manche Motive, wie Insekten, selten gut, da diese vorher flüchten. Fotografen sprechen hier auch vom Fluchtabstand von Insekten. Wie groß dieser ist, hängt meist von der Insektenart ab.

Kompaktkamera für die Makrofotografie

Viele Kompaktkameras haben inzwischen einen brauchbaren Nahbereich, den man auch hervorragend für Nahaufnahmen nutzen kann.

Manche haben sogar einen Makromodus für Nahaufnahmen.

Kameras mit Mega-Zoom haben häufig in einem oder mehreren Brennweitenbereichen ihre optische Schwächen. Lieber etwas weniger Zoom und man bekommt dafür eine durchgehend bessere optische Qualität.

Sony DSC RX100

Sony DSC RX100

Vor dem Kauf bitte darauf achten, was die Kamera für ein Zoom hat. Der Zoombereich sollte optisch sein. Manche Hersteller rühmen sich mit riesen Zoombereich. Der ist dann zum Teil digital. Das ist nichts anderes als ein Bildauschnitt. Das kann man auch selber machen. Dann kann man selber den Bildausschnitt auswählen.

Bei vielen Kompaktkameras kann die Autofokus ein Hindernis sein. Je nach Autofokustechnik braucht er bei günstigen Kameras im Nahbereich sehr lange, bis er die Schärfe gefunden hat. Oft sind dann bewegte Motive, wie Insekten, bereits aus dem Sucher verschwunden.

Ein weiteres Kriterium für erfolgreiche Nahaufnahmen ist auch die Auslöseverzögerung. Günstige oder ältere Kompaktkameras haben häufig eine lange Auslöseverzögerung. Diese liegt an der Verarbeitungssoftware, welche die Rohaufnahme in ein JPG oder andere Dateiformat umwandeln muß. Auch hier kann es passieren, daß ein Motiv bis zur Auslösung bereits verschwunden ist.

Es gibt bei preisgünstigen Kameras also viele technische Hürden, welche die Auslösung verzögern können. Insekten reicht das aus um aus dem Bildfeld zu verschwinden. Die Chancen für gute Treffern bei bewegten Motiven sinkt spürbar.

Wenige hochwertige Kameramodelle haben auch die Möglichkeit im RAW-Dateiformat zu fotografieren. Diese eignen sich meist besser für Nahaufnahmen von bewegten Motiven, da hier die Umrechung in das JPG bei der Aufnahme entfällt. Die Folge ist eine kürzere Auslöseverzögerung und dadurch höhere Trefferquote.

Wenn man in erster Linie statische Motive im Nahbereich ablichten möchte, spielt dies keine Rolle. Dafür ist eine Kompaktkamera bereits gut geeignet.

Bridgekameras für die Makrofotografie

Bridgekameras sind ähnlich wie eine Spiegelreflexkamera oder Systemkameras konstruiert. Früher hatte Bridgekamera meist einen Spiegel wie bei einer Spiegelreflexkamera. Heutzutage spart man sich den Spiegel und ersetzt den Sucher durch einen elektrischen Sucher. Manche Modelle haben auch ein elektronisches Display.

Panasonic Lumix DMC FZ200

Panasonic Lumix DMC FZ200

Bridgekameras haben meist ein Zoom-Objektiv und mehr Funktionen als eine einfachere Kompaktkamera. Bei einigen Modellen ist auch eine manuelle Einstellung von Verschlußzeit und Blende möglich.

Wechselobjektive gibt es bei Bridgekameras nicht. Eine Bridgekamera ist sozusagen ein Kompromiss zwischen Kompaktkamera und Spiegelreflexkamera.

Inzwischen gibt es eine große Ausahl an sogenannten Kompaktkameras mit Reisezoomes. Diese sind oft handlicher und bieten vergleichbare fotografische Möglichkeiten wie eine Bridgekamera.

Wer Nahaufnahmen machen möchte, sollte ein Kamera-Modell wählen, das eine kurze Auslöseverzögerung hat. Das sind meist Kameras die auch RAW-Dateien erstellen können. Bei RAW-Aufnahmen entfällt die Umrechung in andere Dateiformat. Das spart Zeit und ermöglicht eine geringste Auslöseverzögerung. Die Trefferquote bei bewegten Kleintieren steigen enorm.

Kameras mit einem schwenkbaren Display erleichtern die Bildgestaltung bei Aufnahmen in der Froschperspektive enrom.

Für die meisten Bridgekameras gibt es auch Zubehör, womit man den fotografischen Aufgabenbereich erweitern kann. Einige Kameras haben ein Objektivgewinde. Darauf kann man Nahlinsen oder Achromate schrauben um den Nahbereich zu verbessern.

Systemkameras mit Wechselobjektiven

2018 wurden zum ersten Mal mehr Systemkameras als Spiegelreflexkameras verkauft. Kein Wunder. Wurden doch in den letzten Jahren die meisten Nachteile von Systemkameras beseitigt. Teilweise haben Systemkameras in manchen Punkten sogar Vorteile. Die Top-Kameras einiger Hersteller bieten einen spürbar schnelleren Autofokus bei bestimmten Lichtbedingungen. Da kein Spiegel das Auslösen bei Serienaufnahmen ausbremst, können einige Kameras sogar mehr als 20 Bilder in der Sekunde belichten. Einige Bremser ist hier wieder der Zwischenspeicher und die Verarbeitungsgeschwindigkeit der Software. Dennoch sind das Werte, welche ein Spiegelreflex wohl nie erreichen wird.

Weitere Vorteile sind das geringere Gewicht bei vergleichbarer Technik. Inzwischen gibt es für die meisten Spiegellosen auch eine breite Auswahl an Objektiven und Zubehör.

Fuji X-T2 Kamera

Fuji X-T2 Kamera

Die Kameragehäuse sind meist recht handlich und flach gebaut. Auch die Objektive sind kleiner und leichter als bei einer vergleichbaren Spiegelreflexkamera. Das Auflagemaß ist bei den meisten Anbietern ebenfalls geringer. Dadurch kann man sehr viele Objektive anderer Kamerasysteme adaptieren. Dadurch erweitert sich die Auswahl enorm.

Spiegellose Kamerasysteme gibt inzwischen in verschiedenen Aufnahmformaten. 1″, Micro-Four-Thirds, APS-C, Vollformat und Mittelformat.

Für die maximale Qualität sollte die Kamera RAW-Dateien erstellen können. Mit diesen Rohdaten hat man die Möglichkeiten die maximale Qualität aus den Bildern zu holen. Bei JPG wird komprimiert, was zu einem Qualitätsverlust bei Bearbeitungen führen kann.

Digitale Spiegelreflexkameras mit Wechselobjektiven

Spiegelreflexkameras gab es schon zu analogen Fotozeiten für das Kleinbildformat. Ein Kleinbildfilm hat ein Aufnahmeformat von 24x36mm.

Die ersten digitalen Spiegelreflexkameras hatten einen kleineren Aufnahmechip. Kleiner als 24x36mm. Man spricht hier vom Crop-Faktor. Dies bezeichnet das Verhältnis, wie sich die Brennweite verändert. Ein 100mm Objektiv bei einer Vollformat-Kamera ist bei einer mit 1,5 Crop ein 150mm Objektiv.

Kameras mit kleinerem Aufnahmechip sind günstiger. Im Weitwinkelbereich ist die Auswahl an Objektiven geringer bzw. diese sind schwieriger zu konstruieren.

Wer die Kamera überwiegend für Makrofotos einsetzen möchte, für den spielt dies kaum eine Rolle.

Canon EOS 600D mit schwenkbarem Display

Canon EOS 600D mit schwenkbarem Display

Alle digitalen Spiegelreflexkamera können auch Aufnahmen im RAW-Dateiformat speichern. Dadurch wird Zeit beim speichern gespart und in der Nachbearbeitung hat man viel mehr Spielraum. Das RAW ist ein digitales Negativ, welches durch einen RAW-Konverter (Software) entwickelt wird. Die Bearbeitung im RAW-Konverter ist verlustfrei.

Für die Makrofotografie ist eine Kamera mit einem schwenkbaren Display eine große Erleichterung beim fotografieren aus der Froschperspektive. Wer in der freien Natur kleine Tiere fotografieren möchte, wird dieses Feature zu schätzen wissen. In Verbindung mit einer Live-View-Funktion können über das Display die Einstellungen leichter gemacht werden.

Eine Spiegelreflexkamera mit Crop-Faktor hat gegenüber einer im Vollformat den Vorteil, dass sie eine etwas größere Schärfentiefe im Nahbereich hat.

Der Vorteil wird allerdings durch die hohe Pixel-Anzahl meist wieder zunichte gemacht. Viele Pixel sind ein Verkaufsargument. Bei Crop-Kameras führt dies aber meist zu einem schnelleren Bildrauschen, wenn man die ISO-Werte erhöht. Ein weiterer Vorteil ist der meist günstigere Preis von Kameras mit Crop-Faktor. Ein kleinerer Aufnahmechip kostet weniger.

Hat eine digitale Vollformat-Spiegelreflex-Kamera überhaupt Vorteile?

Ja, die hat sie.

Nikon D750

Nikon D750

Meist eine höhere Aufösung. Inzwischen sind bis zu 50 Mio Pixel möglich. Allerdings braucht man dafür auch hochauflösende Objektive. Viele günstige Objektive können diese Auflösung nicht realisieren. Die Folge sind teure Objektive. Das Bildrauschen ist wesentlich geringer als bei Crop-Kameras.

Man kann ein Motiv leichter freistellen, da die Schärfentiefe geringer ist.
Durch die hohe Auflösung ist mit entsprechend guten Objektiven die Schärfewiedergabe sichtbar besser.

Egal ob Crop oder Vollformat. Beide Kamera-Varianten können fast das gleiche Zubehör-Programm nutzen. Und bei den meisten Markenherstellern ist dieses sehr umfangreich. Auch für den Makrobereich gibt es vielfältige Ausbau-Möglichkeiten um Makrofotos realisieren zu können.

Zusammenfassung:

Für den Einstieg und die ersten Makroversuche kann man mit einer guten digitalen Kompaktkamera bereits die erste Erfahrung sammeln. Extreme Makrofotos sind damit aber kaum möglich.

Positive Ausstattungsmerkmale für die Makrofotografie:

  • Kamera mit Wechselobjektiven
  • Objektive mit einem vorderen Schraubgewinde für den Einsatz von Nahlinsen oder Achromaten
  • Wie nah kann man mit der Kamera an ein Motiv heran?
  • Schwenkbares Display für Aufnahmen aus der Froschperspektive
  • Live-View-Funktion für leichtere Einstellmöglichkeit aus der Froschperspektive
  • Kurze Auslöseverzögerung, damit ein bewegtes Motiv nicht verschwunden ist, bevor man es fotografiert hat.
  • Abschaltung des Autofocus, da dieser im extremeren Nahbereich meist zu zeitlichen Verzögerungen durch die Fokusierzeit führt.
  • Umfangreiches Zubehör-Progamm für den Nahbereich.
  • Geringes Bildrauschen um bei schlechten Lichtverhältnissen die ISO-Zahl höher stellen zu können.

Es müßen nicht alle Kriterien erfüllt sein um gute Makrofotos machen zu können. Diese Kriterien erhöhen aber die Erfolgschancen spürbar.

Wenn man vom Makrofotografie-Fieber gepackt wird, merkt man schnell, wo die Grenzen liegen. Die Folge ist oft eine neue Kamera, ein neues Objektiv oder Balgengerät.

Nahaufnahmen kann man mit den meisten Kamerasystemen machen. Je näher es herangehen soll, kann eine ausbaufähige Spiegelreflexkamera die Aufgaben meist besser erfüllen.