Kameras für die Makrofotografie

Fototechnik

Für Makrofotos braucht man heute nicht unbedingt eine Spiegelreflexkamera.

Dennoch ist eine Spiegelreflexkamera mit Wechselobjektiven an fast jede Aufnahme-Situation anpassbar und damit am besten für die meisten Makroaufnahmen geeignet.

Ohne Wechselobjektive oder anderes Makro-Zubeor sind manche Makroaufnahmen nur schwer oder gar nicht realisierbar.

Aber auch mit einem Smartphone oder eine einfachen Digitalkamera kann man bereits ordentliche Nahaufnahmen realisieren.

Sollte einem die erzielte Qualität nicht ausreichen kann man sich immer noch Gedanken über eine andere und neue Kamera-Ausrüstung machen. Auch in der Makrofotografie hat Vielseitigkeit und die Qualität einer Aufnahme auch meist seinen Preis.

Hier kommt es natürlich darauf an, was man mit den Fotos anstellen möchte? Wenn man sie nur im Internet zeigen möchte, reicht auch eine einfachere Kamera. Will man seine Fotos vermarkten, braucht man schon eine professionelle Spiegelreflexkamera oder Kamera mit Wechselobjektiven.

Smartphone Kamera für die Makrofotografie

Inzwischen gibt es einige Smartphones, wo die eingebauten Kameras über 10 Mio Pixel auflösen. Beim Sony Xperia Z3 sind es sogar 20 Mio Pixel! Und wasserabweisend ist das Smartphone auch noch.

Aber auch andere Smartphones der oberen Preisklasse haben inzwischen stark verbesserte Kameras eingebaut. Wobei die Anzahl der Pixel wenig über die Bildqualität aussagt.

Die Qualität eines Fotos ist von der Auflösung, der Qualität des Aufnahmechip, der Software und dem Objektiv abhängig. Ist eine Komponente schlecht, kann dies nicht durch die anderen ausgeglichen werden.

Es müßen also alle Komponenten optimal aufeinander abgestimmt sein. 20 Mio Pixel nützen wenig, wenn das Objektiv schlecht ist. Da können Aufnahmen mit 10 Mio Pixel besser sein, wenn alles aufeinander optimert ist.

Für die teureren Smartphones gibt es auch Fotozubehör. Vorsatzlinsen, welche den Tele oder Weitwinkelbereich erweitern können. Allerdings ist jeder Vorsatz ein optischer Kompromiss und verschlechtert die optische Leistung eines Objektives.

Kompaktkamera für die Makrofotografie

Viele Kompaktkameras haben inzwischen einen brauchbaren Nahbereich, den man auch hervorragend für Nahaufnahmen nutzen kann.

Manche haben sogar einen Makromodus für Nahaufnahmen.

Kameras mit Mega-Zoom haben meistens in einem oder mehreren Brennweitenbereichen ihre optische Schwächen. Lieber etwas weniger Zoom und man bekommt dafür eine durchgehend besser optische Qualität.

Sony DSC RX100

Sony DSC RX100

Vor dem Kauf bitte darauf achten, was die Kamera für ein Zoom hat. Der Zoombereich sollte optisch sein. Manche Hersteller rühmen sich mit riesen Zoombereich.

Der ist dann zum Teil digital. Das ist nichts anderes als ein Bildauschnitt. Das kann man auch selber machen. Dann kann man auch selber über den Bildausschnitt entscheiden.

Hinderlich ist im Nahbereich auch manchmal der Autofocus! Der braucht bei vielen Kompaktkameras relativ lange bis er die Schärfe gefunden hat. Bei statischen Motiven meist kein Thema. Bei kleinen Tieren flüchten diese meist schneller, als man ein Foto machen kann.

Ein weiteres Kriterium für erfolgreiche Nahaufnahmen ist auch die Auslöseverzögerung. Viele Kompaktkameras haben ein längere Auslöseverzögerung als Spiegelreflexkameras. Das liegt meist daran, dass nur JPG-Dateien gemacht werden. Diese werden mit einer internen Software vom RAW in JPG umgerechnet. Je nach Qualität und Geschwindigkeit der Software und der Elektronik kann das etwas dauern.

Das dauern reicht vielen Insekten um aus dem Bildfeld zu verschwinden. Die Chancen für gute Treffern bei bewegen Motiven sinkt spürbar.

Wenige hochwertige Kameramodelle haben auch die Möglichkeit im RAW-Dateiformat zu fotografieren. Diese eignen sich meist besser für Nahaufnahmen von bewegten Motiven, da hier die Umrechung in das JPG bei der Aufnahme entfällt. Die Folge ist eine kürzere Auslöseverzögerung und dadurch höhere Trefferquote.

Wenn man in erster Linie statische Motive im Nahbereich ablichten möchte, spielt dies keine Rolle. Dafür ist eine Kompaktkamera bereits gut geeignet.

Bridgekameras für die Makrofotografie

Bridgekameras sind ähnlich wie eine Spiegelreflexkamera konstruiert.

Sie haben meist auch einen Spiegel mit Prisma für den Sucher. Wer kennt das nicht bei Kameras mit Display. Bei Sonnenschein erkennt man in manchen Situation nichts auf dem Display. Über den Spiegelsucher hat man weiterhin den vollen Durchblick auf das Motiv.

Panasonic Lumix DMC FZ200

Panasonic Lumix DMC FZ200

Bridgekameras haben meist ein Zoom-Objektiv und mehr Funktionen als eine einfachere Kompaktkamera. Bei einigen Modellen ist auch eine manuelle Einstellung von Verschlußzeit und Blende möglich.

Wechselobjektive gibt es bei Bridgekameras nicht.

Eine Bridgekamera ist sozusagen ein Kompromiss zwischen Kompaktkamera und Spiegelreflexkamera.

Inzwischen gibt es aber auch eine große Ausahl an sogenannten Kompaktkameras mit Reisezoomes. Diese sind oft handlicher und bieten vergleichbare fotografische Möglichkeiten wie eine Bridgekamera.

Wer Nahaufnahmen machen möchte, sollte ein Kamera-Modell wählen, das eine kurze Auslöseverzögerung hat. Das sind meist Kameras die auch RAW-Dateien erstellen können.

Wenn Insekten und Tiere in der freien Natur fotografieren möchte, wird öfters mal in die Froschperspektive gehen. Hier erleichtert ein schwenkbarer Sucher das fotografieren enorm.

Für die meisten Bridgekameras von den Markenherstellern gibt es auch Zubehör, womit man den fotografischen Aufgabenbereich erweitern kann. Einige Kameras haben ein Objektivgewinde. Darauf kann man Nahlinsen oder Achromate schrauben um den Nahbereich zu verbessern.

Systemkameras mit Wechselobjektiven

Wem eine Spiegelreflexkamera zu groß, schwer und umständlich in der Handhabung ist, sollte sich mal Systemkameras mit Wechselobjektiven näher anschauen.

Dadurch, daß dort der Spiegel und Sucher eingespart wird, sind diese spürbar leichter. Allerdings selten günstiger als eine Einsteiger-Spiegelreflexkamera. Auch das Zubehör und die Vielfalt an angebotenen Objektiven ist meist nicht so umfangreich wie bei einer Spiegelreflexkamera. Wer sich aber vor dem Kauf auch über die Ausbaumöglichkeiten einer Kamera informiert, wird schnell erkennen ob das Kamera-System den eigenen Anforderungen gerecht wird.

Nikon 1 - J4

Nikon 1 – J4

Die Kameragehäuse sind meist recht handlich und flach gebaut. Auch die Objektive sind kleiner und leichter als bei einer Spiegelreflexkamera. Das lässt sich allerdings auch nur mit einem kleineren Aufnahme-Chip realisieren.

Das hat sowohl Vor- und Nachteile in der Makrofotografie.

Die Schärfentiefe ist größer als bei einer Spiegelreflexkamera. Das Bildrauschen wird bei einem kleinem Chip meist schneller erreicht als bei Spiegelreflexkameras. Gerade wenn man die ISO bei schlechten Lichtverhältnissen höher einstellen möchte. Für den Hausgebrauch erhält man damit noch brauchbare Ergebnisse. Wer seine Fotos für Geld vermarkten möchte, wird da zu einer Spiegelreflexkamera greifen müssen.

Die Auswahl an Wechselobjektiven ist geringer als bei Spiegelreflex-Systemen. Die wichtigsten Brennweiten gibt es aber von den bekannten Herstellern. Makro-Objektive sind meist nicht erhältlich. Bei Objekiven mit einem Filtergewinde, kann man den Nahbereich aber mit Nahlinsen oder Achromaten verbessern.

Auch bei diesen Kameras sollte man auf eine geringe Auslöseverzögerung achten, damit man bei bewegten Motiven im Nahbereich eine bessere Trefferquote erzielen kann.

RAW-Dateien sind dafür besser geeignet als nur JPG. Zudem kann man RAW-Dateien verlustfrei nachbearbeiten. Bei JPG hat man bei jeder nachträglichen Bearbeitung Qualitätsverluste.

Digitale Spiegelreflexkameras mit Wechselobjektiven

Spiegelreflexkameras gab es schon zu analogen Fotozeiten für das Kleinbildformat. Ein Kleinbildfilm hat ein Aufnahmeformat von 24x36mm.

Die ersten digitalen Spiegelreflexkameras hatten einen kleineren Aufnahmechip. Kleiner als 24x36mm. Man spricht hier vom Crop-Faktor. Dies bezeichnet das Verhältnis, wie sich die Brennweite verändert. Ein 100mm Objektiv bei einer Vollformat-Kamera ist bei einer mit 1,5 Crop ein 150mm Objektiv.

Kameras mit kleinerem Aufnahmechip sind günstiger. Im Weitwinkelbereich ist die Auswahl an Objektiven geringer bzw. diese sind schwieriger zu konstruieren.

Wer die Kamera überwiegend für Makrofotos einsetzen möchte, für den spielt dies kaum eine Rolle.

Canon EOS 600D mit schwenkbarem Display

Canon EOS 600D mit schwenkbarem Display

Alle digitalen Spiegelreflexkamera können auch Aufnahmen im RAW-Dateiformat speichern. Dadurch wird Zeit beim speichern gespart und in der Nachbearbeitung hat man viel mehr Spielraum. Das RAW ist ein digitales Negativ, welches durch einen RAW-Konverter (Software) entwickelt wird. Die Bearbeitung im RAW-Konverter ist verlustfrei.

Für die Makrofotografie ist eine Kamera mit einem schwenkbaren Display eine große Erleichterung beim fotografieren aus der Froschperspektive. Wer in der freien Natur kleine Tiere fotografieren möchte, wird dieses Feature zu schätzen wissen. In Verbindung mit einer Live-View-Funktion können über das Display die Einstellungen leichter gemacht werden.

Eine Spiegelreflexkamera mit Crop-Faktor hat gegenüber einer im Vollformat den Vorteil, dass sie eine etwas größere Schärfentiefe im Nahbereich hat.

Der Vorteil wird allerdings durch die hohe Pixel-Anzahl meist wieder zunichte gemacht. Viele Pixel sind ein Verkaufsargument. Bei Crop-Kameras führt dies aber meist zu einem schnelleren Bildrauschen, wenn man die ISO-Werte erhöht. Ein weiterer Vorteil ist der meist günstigere Preis von Kameras mit Crop-Faktor. Ein kleinerer Aufnahmechip kostet weniger.

Hat eine digitale Vollformat-Spiegelreflex-Kamera überhaupt Vorteile?

Ja, die hat sie.

Nikon D750

Nikon D750

Meist eine höhere Aufösung. Inzwischen sind bis zu 36 Mio Pixel möglich. Allerdings braucht man dafür auch hochauflösende Objektive. Viele günstige Objektive können diese Auflösung nicht realisieren. Die Folge sind auch teure Objektive.

Das Bildrauschen ist wesentlich geringer als bei Crop-Kameras.

Man kann ein Motiv leichter freistellen, da die Schärfentiefe geringer ist 😉
Durch die hohe Auflösung ist mit entsprechend guten Objektiven die Schärfewiedergabe sichtbar besser.

Egal ob Crop oder Vollformat. Beide Kamera-Varianten können fast das gleiche Zubehör-Programm nutzen. Und bei den meisten Markenherstellern ist dieses sehr umfangreich. Auch für den Makrobereich gibt es vielfältige Ausbau-Möglichkeiten um Makrofotos realisieren zu können.

Zusammenfassung:

Für den Einstieg und die ersten Makroversuche kann man mit einer guten digitalen Kompaktkamera bereits die erste Erfahrung sammeln. Extreme Makrofotos sind damit aber kaum möglich.

Positive Ausstattungsmerkmale für die Makrofotografie:

  • Kamera mit Wechselobjektiven
  • Objektive mit einem vorderen Schraubgewinde für den Einsatz von Nahlinsen oder Achromaten
  • Wie nah kann man mit der Kamera an ein Motiv heran?
  • Schwenkbares Display für Aufnahmen aus der Froschperspektive
  • Live-View-Funktion für leichtere Einstellmöglichkeit aus der Froschperspektive
  • Kurze Auslöseverzögerung, damit ein bewegtes Motiv nicht verschwunden ist, bevor man es fotografiert hat.
  • Abschaltung des Autofocus, da dieser im extremeren Nahbereich meist zu zeitlichen Verzögerungen durch die Focusierzeit führt.
  • Umfangreiches Zubehör-Progamm für den Nahbereich.
  • Geringes Bildrauschen um bei schlechten Lichtverhältnissen die ISO-Zahl höher stellen zu können.

Es müßen nicht alle Kriterien erfüllt sein um gute Makrofotos machen zu können. Diese Kriterien erhöhen aber die Erfolgschancen spürbar.

Wenn man vom Makrofotografie-Fieber gepackt wird, merkt man schnell, wo die Grenzen liegen. Die Folge ist oft eine neue Kamera, ein neues Objektiv oder Balgengerät.

Nahaufnahmen kann man mit den meisten Kamerasystemen machen. Je näher es gehen soll, desto eher kann eine ausbaufähige Spiegelreflexkamera die Aufgaben erfüllen.