Fernauslöser für die Makrofotografie

Fototechnik

Jede Kamera hat einen Auslöser, der meist durch Druck mit einem Finger ausgelöst wird. Bei manchen Fotosituationen ist allerdings eine Auslösung per Kabel oder kabellos eine praktischere Möglichkeit. Braucht man auch in der Makrofotografie einen Fernauslöser?

Das kommt darauf an! Für manche Fotomotive wird ein Fernauslöser eine große Erleichterung bei der fotografischen Arbeit sein. Bei anderen Motiven wird er überflüssig sein.

Wer bei sonnigem Wetter mit der Kamera auf Jagd nach Insekten ist, wird sehr selten einen Fernauslöser benötigen. Dennoch gibt es einige Situationen in der Makrofotografie, wo ein Fernauslöser sehr hilfreich ist.

Fernauslöser in der Makrofotografie

Motive die vom Stativ mit längerer Verschlußzeit aufgenommen werden. In solchen Situationen könnte das Auslösen mit dem Finger zu Verwacklungen führen. In dem Fall lieber die Finger weg vom Auslöser. Ein Fernauslöser vermeidet diese Verwacklungsmöglichkeit.

Wenn die Kamera einen eingebauten Selbstauslöser hat, kann auch dieser in solchen Situationen eingesetzt werden.

Nahaufnahme mit Stativ und Fernauslöser

Nahaufnahme mit Stativ und Fernauslöser

Bei Spiegelreflexkameras kann der Spiegelschlag zu Erschütterungen und Verwacklungen führen. Das Foto wird unscharf. Hat die Kamera eine Spiegelvorauslösung, sollte man diese bei statischen Motiven unbedingt in Verbindung mit einem Fernauslöser und einem stabilen Stativ nutzen. Mit dem ersten Auslösen wird der Spiegel geöffnet. Man wartet kurz bis die Erschütterung vorbei ist. Danach wird zum zweiten Mal ausgelöst und die Aufnahme gemacht. Ohne Spiegelvorauslösung werden die meisten Fotos leicht bis mittel verwackelt sein. Mit Spiegelvorauslösung und Fernauslösung sind die Fotos auch bei langer Verschlußzeit richtig scharf.

Eine Fernauslösung kann bei Makroaufnahmen auch durch Lichtschranken und Schallsensoren erfolgen. Inzwischen gibt es dafür unterschiedliche technische Lösungen. Manche Fotografen basteln sich dafür auch eigene Lösungen oder Varianten. Wozu? Um Kleintiere im Flug zu fotografieren. Oder um einen fallenden Tropfen einer Flüssigkeit an der richtigen Stelle fotografisch zu erwischen.

Im Zeitalter von Smartphones gibt es auch einige App`s über die man Funktionen mancher Digitalkamera steuern kann. Per Bluetooth oder WLAN. Auch eine Fernauslösung ist mit manchem App möglich. Vorausgesetzt die Kamera hat einen entsprechenden WLAN oder Bluetooth-Anbindung.

Drahtauslöser in der Makrofotografie

Gibt es noch Kameras mit einem Drahtauslöser-Anschluß?

Fast alle analogen Spiegelreflexkameras, Mittelformatkameras und Großformatkameras kann man auch mit einem Drahtauslöser auslösen.

Drahtauslöser

Drahtauslöser

Bei Großformatkameras ist dies sogar die übliche Auslösemethode. Die Kamera ist für frei Hand-Aufnahmen sowieso zu unhandlich. Auch die Schärfe- und Bildeinstellungen ist zeitaufwändiger. Für exaktes Arbeiten ist ein Stativ erforderlich.

Zum Auslösen wird ein Drahtauslöser an das Objektiv geschraubt. Den haben die meisten Großformatobjektive, da der Verschluß im Objektiv ist.

Damit man bei lange Belichtungszeiten, keinen Krampf in den Daumen bekommt, sollte man einen Drahtauslöser mit Feststellschraube kaufen. Diese kann man festdrehen und der Kameraverschluß bleibt in Bulb solange auf, bis die Feststellschraube wieder gelöst worden ist. Die hochwertigen Drahtauslöser haben einen Mechanismus, wo sich die Feststellschraube durch ein drücken arretiert wird und durch zweites drücken sich wieder lösen läßt.

Eine Variante davon ist ein Doppeldrahtauslöser. Dieser wird in Verbindung mit Balgengeräten verwendet. Diese Technik wird bei Balgengeräten ohne elektronische Übertragungen bzw. keine Übertragung der Springblende am Objektiv angewendet. Ein Draht schließt mechanisch die Blende. Der zweite Draht löst an der Kamera den Auslöser aus. Da ein Balgengerät die Springblende nicht zum Kameragehäuse übertragen kann, erfolgt dies über zwei mechanische Drähte. Der Draht für die Blende ist länger, damit diese vor der Auslösung der Kamera geschlossen wird. Wer also ein Balgengerät mit Springblenden-Mechanik erworben hat, kann sich die Arbeit mit einem Doppeldrahtauslöser erleichtern. Hat die Kamera keinen Drahtauslöser-Anschluß, muß vor der Aufnahme, die Blende von Hand auf den gewünschten Wert eingestellt werden. Warum schließen? Weil man mit offener Blende einen helleren Sucher hat und damit viel besser die Schärfe einstellen kann.

Elektrischer Fernauslöser in der Makrofotografie

Bei den digitalen Kameras der heutigen Zeit, ist dies die häufigste Fernauslösemöglichkeit. Sofern die Kamera diese Funktion anbietet. Meist ist diese Möglichkeit den besseren und teureren Kameramodellen vorbehalten. Es gibt sie vereinzelt noch mit Kabelanschluß. Meist wird aber kabellos ausgelöst.

Für die kabellose Auslösung gibt es verschiedene technische Lösungen.

Fernauslöser per Infrarot sind meist am günstigsten. Allerdings ist die Reichweite oft nur bis 5 Meter möglich und der Auslöser muß zum Infrarot-Empfänger der Kamera ausgerichtet sein. Je nach Hersteller und Qualität liegt solch ein Fernauslöser bei 5 – 200€. Die meisten davon kosten 15 – 30€.

Wesentlich besser sind da schon Funk-Fernauslöser. Diese haben oft eine Reichweite von 50 bis 100 Meter. Damit kann man die Kamera auch aus verschiedenen Richtungen zuverlässig auslösen. Die Preisspanne reicht von 30 bis über 600€. Dazu benötigt man einen Auslöser und einen Empfänger. Je nach Hersteller gibt es

Je mehr man investiert, desto mehr Zusatzfunktionen bekommt man. Die einfachen können lediglich auslösen. Es gibt inzwischen aber eine große Auwahl mit erweiterten Funktionen:

  • Selbstauslöser
  • Automatische Intervall-Aufnahmen (Timer)
  • TTL-Blitz-Fernauslöser
  • Studio-Blitz-Fernauslöser
  • Kürzere Blitz-Synchronzeiten bei Kameras mit Schlitzverschluß

Im Prinzip sind es dann Multi-Funktionsauslöser. Manche gibt es mit Kabelanschluß. Die meisten sind für den kabellosen Einsatz. Mit einem Intervall-Timer kann man die Phasen einer sich öffnenden Blüte dokumentieren. Aus vielen Einzelaufnahmen kann man die Blütenserie auch in ein Zeitraffer-Video umwandeln.

Auch die Fernsteuerung von Blitzgeräten erleichtert das Arbeiten im Nahbereich enorm. Gute Fernauslöser mit verschiedenen Funktionen erhält man bereits ab ca. 70€. Sender und Empfänger sind beinhaltet. Die Verarbeitung ist in Ordnung. Für den Profieinsatz gibt es robuster verarbeitete Fernauslöser. Wo ein Stück ab ca. 250€ Sender oder Empfänger erhältlich sind. Hier benötigt man zwei Stück. Je nach Modell und Hersteller kann man die teureren sowohl als Sender als auch als Empfänger einsetzen.

PocketWizard ist unter Profi-Fotografen die erste Wahl. Robust und zuverlässig sind diese hochwertigen Funk-Fernauslöser.

Wesentlich günstiger sind da die chinesischen Produkte von Yongnuo. Wobei es bei den asiatischen Herstellern oft eine Produktvielfalt gibt, die auf mich sehr verwirrend wirkt.

Wenn man den Einsatzzweck genau definiert, wird man sicherlich auch bei den günstigen Herstellern einen passenden Fernauslöser finden.

Für mich ist ein Fernauslöser bei einigen Herausforderungen der Makrofotografie eine willkommene Arbeitserleichterung.