Makrofotos von Fliegen. Damit meine ich die Insekten die uns manchmal nerven können. Vor allem so dicke Brummer können einem mit ihrem Geräusch schon mal auf den Nerv gehen. Die meisten Fliegen sind schwer zu fotografieren. Selbst wenn sie mal ruhig sitzen, sind sie auch noch relativ klein. Ein richtiges Makro-Motiv für jeden Makrofotografen. Aber ruhig bleiben sie selten sitzen. Die Fluchtdistanz ist da doch meist zu hoch. Für gute Fliegenfotos braucht der Fotograf Geduld.
Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Informationen über Fliegen (Insekten)
Fliegen haben keinen guten Ruf. Die meisten Menschen denken an die Stubenfliege, die in der Küche herumbrummt. Dabei gehören Fliegen zu den spannendsten Insekten überhaupt. Zusammen mit den Mücken bilden sie die Ordnung der Zweiflügler (Diptera). Weltweit sind über 150.000 Arten beschrieben, in Deutschland kommen rund 9.000 vor.
Ihren Namen verdanken die Zweiflügler einer Besonderheit. Sie haben nur ein Paar Flügel. Das hintere Flügelpaar ist zu kleinen Schwingkölbchen umgebildet. Diese Halteren arbeiten wie ein Kreiselinstrument und sorgen im Flug für Stabilität. Deshalb sind Fliegen so wendige Flieger.
Auch ihre Augen sind beeindruckend. Die großen Facettenaugen bestehen aus Tausenden Einzelaugen. Damit nehmen Fliegen Bewegungen nahezu rundum wahr und reagieren blitzschnell. Genau das macht sie für Fotografen zu einer echten Herausforderung.
In der Natur spielen Fliegen eine wichtige Rolle. Schwebfliegen bestäuben viele Blüten und gehören nach den Bienen zu den wichtigsten Bestäubern. Andere Arten zersetzen Aas, Dung und abgestorbene Pflanzen und halten so den Kreislauf der Natur in Gang. Viele Fliegenlarven sind zudem wichtige Nahrung für Vögel und Fische.
Unter dem Makroobjektiv zeigen Fliegen ihre ganze Schönheit: schillernde Flügel, feine Borsten und leuchtende Augen. In dieser Galerie zeige ich dir einige meiner Fliegenfotos und erkläre, wie sie entstanden sind.
Die Artenzahlen sind die üblichen Angaben aus der Fachliteratur. Weltweit nennen die Quellen je nach Stand 150.000 bis 160.000 beschriebene Arten, deshalb steht im Text “über 150.000”. Für Deutschland werden rund 9.000 Arten angegeben.
Stubenfliege (Musca domestica)
Die Kleine Stubenfliege (Fannia canicularis) wurde mit einer Nikon D610 + Micro Nikkor 2,8/105mm mit der kürzesten Naheinstellung aufgenommen. Abbildungsmaßstab 1:1. Mit Bildausschnitt! Über 80 Fotos mit laufenden Motor waren in mehreren Anläufen erforderlich um 3 gute und scharfe Fotos zu erhalten. Der Rest war Ausschuss.
Der Autofocus war abgestellt. Manuell auf kürzeste Naheinstellung focusiert. Und mit Live-View langsam der Fliege genähert und im Schärfebereich den Motor laufen lassen. Die Fliege saß auf einer Hauswand.
Stubenfliege mal aus der Nähe. Die Fliege war bereits tot. Ich habe sie in der Wohnung auf dem Fußboden gefunden. Leider fehlt der linke Nasenfühler oder was das auch immer bei dieser Fliege ist. Aufgenommen mit einem Balgengerät + Schneider Componon S 2,8/50 mm. Abbildungsmaßstab ca. 3:1. Die Aufnahme besteht aus 26 Einzelfotos die mit Heliconfocus zu einem Bild mit mehr Schärfentiefe bearbeitet wurde.
Eine weitere Stubenfliege mit 41 Einzelfotos zu einem Focus Stack mit Heliconfocus umgesetzt.
Die gleiche Stubenfliege von der Seite.
Meist bekommt man tote Fliegen kaum 100%ig Staubfrei. Da sie sehr viele Haare haben, bleiben Fuseln und Staub darin sehr gut haften. Mit einem Pinsel und einer Lube kann man das gröbste entfernen. Manche Makrofotografen nutzen ein Mikroskop zum reinigen von toten Insekten.
Schmeißfliege (Calliphoridae)
Die Schmeißfliege wurde im Allgäu im Oytal auf einer Wanderung aufgenommen. Die Aufnahme entstand mit der Fuji X-T2 und dem 60mm Makroobjektiv von Fuji.
Gelbe Dungfliege (Scathophaga stercoraria)
Eine gelbe Dungfliege. Aufgenommen bei einem Spaziergang in den Weinbergen und Streuobstwiesen des Remstales. Mit Fuji X-T2 + XF 80 mm Makroobjektiv aus der freien Hand.
Fleischfliege (Sarcophagidae)
Eine Fleischfliege an einem Sommermorgen bei einem Waldspaziergang fotografiert. Aufgenommen mit Fuji X-T2 und 80 mm Makroobjektiv und Godox Blitz TT350 und Dörr Diffusor.
Minierfliege (Agromyzidae)
Auch die Minierfliege wurde beim Waldspaziergang fotografiert. Wieder Fuji X-T2 und 80 mm Makroobjektiv mit Godox Blitz TT350 und Dörr Diffusor.
Schwebfliege (Syrphidae)
Aufgenommen auf dem Balkon. Dort hatte ich mehrere Lavendelsträucher in Töpfen gepflanzt. Im Sommer zogen die Lavendelblüten, Bienen, Hummeln und Schwebfliegen an. Kamera mit Makroobjektiv auf ein Stativ positioniert auf eine Blüte scharf gestellt. Ein Aufhellblitz. Kabelfernauslöser. In den Liegestuhl gelegt. Warten bis ein Insekt fokussierte Blüte anflog, Kamera auslösen.
Gemeine Waldschwebfliege oder Gemeine Hummel-Schwebfliege (Volucella pellucens)
Die Hummel-Schwebfliege habe ich beim fotografieren erst für eine Hummel gehalten. Erst bei der Bestimmung, bin ich darauf gestossen, daß es sich um eine Schwebfliege handelt. Aufgenommen im Allgäu, bei Oberstdorf, bei einer Bergwanderung.
Skorpionsfliege (Panorpidae)
Sicherlich ist die Skorpionsfliege eine der skurillsten Fliegenarten hierzulande. Im Sommer bei einer Waldwanderung ist mir dieses Exemplar vor die Linse geflogen. Leider konnte ich sie nicht optimal fotografisch ablichten. Am Ende war ich froh, daß ich wenigsten das Auge scharf abbilden konnte. Eine volle Seitenansicht war leider nicht realisierbar.
Häufige Fragen und Antworten über das Fotografieren von Fliegen:
Warum sind Fliegen so schwer zu fotografieren?
Fliegen sind klein, reagieren blitzschnell und haben eine hohe Fluchtdistanz. Mit ihren Facettenaugen nehmen sie Bewegungen in fast alle Richtungen wahr. Selbst wenn sie ruhig sitzen, bleibt kaum Zeit zum Scharfstellen. Im Nahbereich kommt die geringe Schärfentiefe dazu. Gute Fliegenfotos brauchen deshalb viel Geduld und eine ruhige Hand.
Wann ist die beste Zeit, um Fliegen zu fotografieren?
Am besten fotografierst du Fliegen am frühen Morgen oder an kühlen Tagen. Als wechselwarme Tiere sind sie dann noch träge und fliegen nicht sofort weg. Gute Plätze sind sonnige Hauswände, Blüten wie Doldenblütler und Blätter, auf denen sich Fliegen zum Aufwärmen niederlassen. In der Mittagshitze sind sie dagegen kaum zu erwischen.
Welche Ausrüstung brauche ich für Fliegenfotos?
Ideal ist ein Makroobjektiv mit 90 bis 105 Millimetern und Abbildungsmaßstab 1:1. Die längere Brennweite gibt dir etwas mehr Abstand zur Fliege. Ein Blitz mit Diffusor friert Bewegungen ein und erlaubt eine kleinere Blende. Für extreme Nahaufnahmen über 1:1 brauchst du ein Balgengerät, ein Lupenobjektiv oder Zwischenringe.
Wie stelle ich bei Fliegen richtig scharf?
Schalte den Autofokus ab und stelle das Objektiv manuell auf die kürzeste Entfernung. Nähere dich dann langsam mit der ganzen Kamera, bis die Augen scharf erscheinen, und löse in Serie aus. Rechne mit viel Ausschuss: Für eine Kleine Stubenfliege waren über 80 Aufnahmen nötig, um drei scharfe Bilder zu bekommen.
Kann ich Focus Stacking bei Fliegen nutzen?
Bei lebenden Fliegen klappt Focus Stacking kaum, weil sie sich ständig bewegen. Bei tot aufgefundenen Fliegen ist es dagegen eine gute Möglichkeit, Details wie Facettenaugen und Borsten durchgehend scharf zu zeigen. Ein Porträt einer Stubenfliege im Maßstab 3:1 entstand zum Beispiel am Balgengerät aus mehreren Einzelaufnahmen, die per Software zusammengesetzt wurden.
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