Hintergründe in der Makrofotografie

Fototechnik

Für viele Amateurfotografen wird die Makrofotografie mit Insekten und Naturfotos im Freien gleichgestellt.

Dabei gibt es jede Menge anderer Motive, die im Nahbereich interessant sein können. Einige Berufsfotografen haben ihren Schwerpunkt in der Sachfotografie. Auch in diesem Genre ist oft der Einsatz von Fototechnik im Nahbereich erforderlich. Wer Uhren, Parfüm-Flacons oder Joghurt-Becher fotografiert macht genauso Makrofotografie.

Der Fotohintergrund sollte im Nahbereich wohl keine große Rolle spielen?

Falsch. Bei jedem Motiv spielt ein Hintergrund eine wesentliche Rolle. Schließlich hat er beträchtlichen Einfluß auf das Gesamtbild. Ein unruhiger oder farblich unharmonischer Hintergrund, kann ein gutes Motiv schlechter wirken lassen.

Mir geht es hier nun aber nicht um die Bildgestaltung. Das ist ein anderes Thema. Mir geht es darum, wie man in der Makrofotografie gezielt einen harmonischen Hintergrund realisieren kann?

Ohne Hilfsmittel kann man ein Fotomotiv freistellen. Freistellen bedeutet, daß der Hintergrund in einer oder mehreren Farben in Unschärfe verschwimmt. Das erreicht man mit geringer Schärfentiefe. Der Rest des Motives verschwimmt in Unschärfe.

Wie kann man ein Motiv freistellen?

  • grosse Blendenöffnung
  • mehr Telebrennweite
  • näher ran gehen
  • grösserer Aufnahme-Chip

Alle vier Möglichkeiten können natürlich kombiniert werden um den Freistellungs-Effekt zu verstärken.

Möglichst nah ran. Dann verschwimmt das Umfeld in Unschärfe:

Nahaufnahme Bonsai-Wald

Nahaufnahme Bonsai-Wald

Der Effekt des Freistellens ist von der Größe des Aufnahme-Chips, von der Brennweite, von der Entfernung zum Motiv und der eingestellten Blende abhängig. Dieser Wald aus Ahorn-Bonsai-Bäumen wurde mit einer digitalen Spiegelreflexkamera (DX) 200 mm und offener Blende 2,8 aufgenommen.

Die zweite Möglichkeit ist ein Teleobjektiv:

Makrofoto mit 400mm Brennweite

Makrofoto mit 400mm Brennweite

Mit dem Tele nah ran an ein Motiv. Bei der Libelle kam ein 400 mm Objektiv zum Einsatz. Der Hintergrund wurde durch diese Kombination sauber freigestellt.

Auch hier ist der Freistellungseffekt von der Grösse des Aufnahme-Chips, dem Objektiv, der Blende und Aufnahmeentferung abhängig.

Am leichtesten geht das mit Kameras mit einem großen Aufnahmechip. Vollformat-Spiegelreflexkameras. Je kleiner der Aufnahmechip, desto geringer wird der Freistellungseffekt. Wer so wie oben freistellen möchte, tut sich mit einer digitalen Spiegelreflex-Kamera leichter.

Fotohintergründe im Freien

Wer kennt das nicht. Eine tolle Blumenwiese. Man möchte eine einzelne Blüte als Motiv darstellen. Aber da sind zuviele andere Blumen und Grashalme die den Gesamteindruck stören?

Eine Möglichkeit wäre über die Wiese zu robben, bis man einen geeigneten Bildausschnitt gefunden hat? Dabei zerstört man aber viele Pflanzen und sogar Kleintiere. Ökologisch betrachtet weniger nachhaltig.

Bei kleinen Motiven hilft oft schon ein Stück Fotokarton dahinter zu stellen. Fotokarton aus dem Schreibwarenhandel. Ich meine nicht die großen Bögen. Es gibt auch kleinere in DIN A4 und DIN A5. Diese eignen sich für solche Motive hervorragend als einfarbiger Hintergrund. Um harte Schatten durch Sonnenlicht zu mildern hilft ein Diffusor. Ich verwende dafür einen runden Faltdiffusor. Damit wird das Licht weicher. Man kann mehr Details am Motiv erkennen.

Wem ein einfarbiger Fotokarton zu steril wirkt, kann diese auch bemalen. In den meisten Fällen sollten im Nahbereich, die Farbflecken eines Hintergrundes in Unschärfe verschwimmen. Gemalte Flächen sind nicht mehr als solche erkennbar. Nur noch verschwommene Farbflächen.

Fotohintergründe im Studio

In Fotoststudio kann man die Lichtsituation gezielter steuern. Auch der Hintergrund lässt sich sehr gut planen.

Im Foto-Fachhandel gibt es dafür Fotohintergründe in 1,35, 2,75 und 3,60 m Breite. Diese sind mit 11 Meter Länge auf einer Rolle mit Pappkern. Die Rolle wird in einem Hintergrund-Haltesystem montiert. Der Halter für den Hintergrund kann fest an der Wand oder Decke installiert sein. Für flexiblen Einsatz werden Autopole verwendet, an denen die Abrollvorrichtung mit Klemmen befestigt werden. Autopole sind ausziehbare Rohre. Autopole können auf eine Deckenhöhe zwischen 2,10m und 3,70m eingestellt werden. An beiden Enden gibt es einen breiten Gummifuss, damit die Rohre nicht verrutschen können.

Wozu braucht man bei Makrofotos solch einen großen Hintergrund? Den braucht man nicht. Wenn man ihn bereits hat, kann man ihn natürlich auch für Makrofotos nutzen.

Für kleine Motive im Fotostudio werden häufig Aufnahmetische eingesetzt. Diese bestehen aus einer weissen milchigen Kunststoffplatte, welche in einem Rahmen zu einer Hohlkehle gebogen wird. Einen Aufnahmetisch setzt man ein, wenn das Motiv vor weissen Hintergrund freigestellt werden soll. Man kann mit Licht durch die Platte von unten und hinten eine weiche und schattenfreie Beleuchtung erzeugen. Aufgehellt wird seitlich oder von oben, je nach gewünschter Lichtwirkung.

Am häufigsten für Nahaufnahmen und Makrofotos im Fotostudio nutze ich einen Fotokarton in DIN A2. Die gibt es in jedem gut sortierten Schreibwarengeschäft. Auf einem kleinen Tisch wird der Fotokarton als Hohlkehle hinten hoch gebogen. Gehalten wird er durch ein Stativ oder einen anderen höheren Gegenstand. Und vorne an der Auflage kommt ein schwerer Gegenstand drauf, damit er nicht wegrutscht.

Nahaufnahme mit weissen Fotokarton als Hintergrund

Nahaufnahme mit weissen Fotokarton als Hintergrund

Die Foto-Hintergründe gibt es in zahlreichen Farben. Licht bekomme ich von einem Studioblitz mit 400WS. Der Blitz hat eine Softbox und wird indirekt über eine weisse Zimmerdecke eingesetzt. Damit erziele ich ein sehr weiches Licht. Das ganze funktioniert aber genaus mit einem Elektronenblitzgerät, mit dem man genaus indirekt blitzt.

Ein einfarbiger Hintergrund wirkt sehr leicht unnatürlich. Man erkennt den Studio-Charakter. Wenn ich einen natürlicheren Hintergrund oder Untergrund möchte, nutze ich alles mögliche an Materialien.

Nahaufnahme mit Eichenholz-Imitat als Hintergrund

Nahaufnahme mit Eichenholz-Imitat als Hintergrund

Verschiedene Hölzer, Holz-Imitate, Stoffe, Metalle … Im Prinzip fast alles was ein Motiv natürlicher oder interessanter wirken lässt. Einfach kreativ sein. Man kann erstaunlich viele Texturen und Materialen als Untergrund und Hintergrund für Nahaufnahmen verwenden.